Lehrstuhl für Visuelle Kommunikation
Folkwang Universität der Künste

homo praesidens – Macht und Herrlichkeit. Von Nina Launer

238 Staaten und ihre obersten Repräsentanten im offiziellen Porträt.

Staatsoberhäupter sind nicht unbedingt von Geburt an Politiker, insofern sie ihre Position nicht ererbt haben. Sie legitimieren ihre Macht heute mittels des Volkes, von dem sie gewählt wurden. Einerseits müssen sie dabei ihr Führungsamt angemessen nach außen repräsentieren, andererseits geben sie – wie die Marke dem Unternehmen – ihrem Land ein Gesicht. Um den Staat erfolgreich zu führen, müssen sie als Repräsentanten staatlicher Souveränität auch sich selbst regieren. Denn die Art und Weise, wie sie sich verhalten und auftreten, wirkt sich unmittelbar auf ihr Image aus und somit auch darauf, wie sie von der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Da sie von der Akzeptanz ihrer Wähler abhängig sind, ist ihr Erscheinungsbild und dessen Steuerung von Bedeutung.

Das erwünschte (Selbst-)Bild, repräsentiert im offiziellen Porträt, ist Grundlage der vorliegenden visuellen Recherche «homo praesidens». «homo» (lat. Mensch) meint hier Mensch im Sinne des Vertreters einer Gattung. Die Bedeutung von «praesidens» beruht auf dem lateinischen Verb «praesidere», das einerseits schützen und verteidigen bedeutet, und andererseits leiten, verwalten, den Vorsitz haben oder aber auch befehligen und kommandieren. In dieser Mehrdeutigkeit klingt schon mit, dass Führen in Form von Machtausübung nicht nur Schutz und Sicherheit bedeuten kann, sondern auch das Potential zum Verführen, dem Machtmissbrauch in sich trägt. Menschen sind führungsbedürftig und lassen sich mit suggestiven Mitteln – zu denen auch, und vor allem, Bilder gehören – steuern.

Zusammengetragen wurden die Porträts dieser «Vorsitzenden» von insgesamt 238 Staaten, von denen Deutschland allerdings nur zu 194 Staaten diplomatische Beziehungen unterhält.

Verbunden ist die Sammlung mit den Fragen: Wie präsentieren sich die politisch mächtigsten Menschen der Staaten im offiziellen fotografischen Porträt? Was teilen uns die nonverbalen Aspekte, wie Mimik, Gestik, Körpersprache, Körperhaltung und äußere Erscheinung, wie Kleidung, Kosmetik und Schmuck über die Persönlichkeit mit? Gelingt es den abgebildeten Personen ihre Machtposition auch visuell im Porträt auszudrücken? Transportieren die Bilder einen Habitus, der spezifisch ist für den Typus der Herrschenden oder der Staaten? Wie wollen sie von der Öffentlichkeit wahrgenommen werden?

Habitus.
Projektseminar
Semester-Projekt von Nina Launer
[2014]

Betreuende Professoren:
Prof. Hans Günter Schmitz (Konzeption/Gestaltung), Dr. Bernhard Uske (Theorie)