Lehrstuhl für Visuelle Kommunikation
Folkwang Universität der Künste

Machtbilder. Von Julia Schüren

Machtbild gleich Bildmacht? Nelson Mandela, Cesar, Margret Thatcher, George Washington, Kim Yong Un, Cleopatra, Napoleon: Zu jedem dieser berüchtigten und mächtigen Namen haben wir direkt ein Bild vor Augen und können dieses unvermittelt abrufen. Dabei haben wir diese Menschen noch nicht einmal gesehen oder waren je in ihrer Nähe. Es sind genau diese Bilder, die wir bereits hunderte Mal wahrgenommen haben, bis wir sie in Form von Bildmustern abgespeichert haben und im richtigen Moment abrufen können.

»Das Schlagbild hat das Schlagwort abgelöst.« Dass Bilder mächtig sein können, ist wohl unbestritten. Denn heute wissen wir, dass sie bedeutende und komplexe historische Vorgänge in einen einzigen konstanten Ausdruck verwandeln, der wesentlich schneller ins Gedächtnis gelangt als ein Zitat beispielsweise. Nicht umsonst heißt es »Bilder sagen mehr als Tausend Worte«, denn sie können auf vielfältige Weise mit unterschiedlichsten Bildinformationen rezipiert werden. Der Wahrnehmung von Bildern wohnt eine natürliche Selbstverständlichkeit inne, die dem geschriebenen Wort eindeutig überlegen ist.

Kein Wunder also, dass gerade Herrscher und Mächtige sich der Manipulationsfähigkeit der Bilder bedienten und es heute mehr denn je tun. Frei nach dem Motto »Ich glaube, was ich sehe!« geht jedes Bild der eigenen Person über die bloße Darstellung hinaus. Es kommuniziert mit dem Betrachter und transportiert viele Botschaften, ob gewollt oder ungewollt. Mächtige und Herrschende haben sich die Macht am eigenen Bild(nis) über Jahrtausende hinweg zu nutze gemacht. Wer die Gewalt über das Bild hat, verfügt über die Macht der Selbstinszenierung, der Reputation, der Legitimation – und letzten Endes über die Kontrolle der Unsterblichkeit.

Aber entsteht aus Bildmacht direkt ein Machtbild? Woran macht man es visuell fest? An der dargestellten Person? Und gibt es sowas wie ein Machtbild überhaupt?...

Ordnung der Bildsprachen.
Projektseminar

Semester-Projekt von Julia Schüren
[2014]

Betreuende Professoren:
Prof. Hans Günter Schmitz (Konzeption/Gestaltung), Dr. Bernhard Uske (Theorie)